Von Daniel Honsack
Die Dotzheimer "Bonitos" überall sehr gefragt
Wenn sie in den Saal einziehen, gibt es vor allem beim weiblichen Publikum kaum ein Halten mehr. Doch zunehmend begeistern die "Bonitos" auch ihre Geschlechtsgenossen für ihre Darbietungen, die mehr sind als schlichte Gaudi. Hinter den Choreografien, die den acht Herren offensichtlich so mühelos von den Gliedern gleiten, steckt harte Arbeit und zwar das ganze Jahr über. Herz und Kopf des Herren-Achters ist indes weiblich. Karin Zahrt ist seit Anfang an Leiterin der Bonitos, auch die Idee, sich mit Dotzheimer Männern in gleichgeschalteter Beweglichkeit auf die Bühne zu wagen, stammt von ihr. 1999 war das. Damals gab es ein Lied und fünf Tänzer. Das musste reichen. Immerhin war es ein Experiment, das die Choreografin, die in klassischem Ballett und modernem Tanz ausgebildet ist, wagte. Jahrelang hatte sie die Playbackgruppe "La Bostella" trainiert, die regelmäßig bei der "Funzelsitzung" der Narrenzunft im Dotzheimer Volks-Chor auftrat. Mit ihrem Männerballett durfte sie von Anfang an zur großen Schwester, der Zunftsitzung im Turnerheim. Seit den ersten Anfängen hat sich viel getan. Aus den "Gag Street Boys" sind die Bonitos geworden, die mittlerweile acht komplette Programme im Repertoire haben. Den Durchbruch erlebten sie mit den "Raben". 2002 war die Choreografie zu einem Medley von Max Raabe und dem Palastorchester, die mittlerweile 52 mal aufgeführt wurde, erstmalig zu sehen. Ohnehin sind die Jungs außergewöhnlich fleißig. In dieser Saison haben sie innerhalb von zehn Tagen bei sechs Veranstaltungen vier verschiedene Programme gezeigt.
Ihr komplettes Angebot zeigten sie im Mai 2006, dann wieder 2008 bei einem "Bunten Abend". Das ganze für einen guten Zweck. Schon lange spenden die Bonitos einen Teil ihrer Abendgagen für ein Kinderheim im brasilianischen Olinda. Karin Zahrt lebte mit ihrem Ehemann Uli, heute Senior bei den Bonitos, 16 Jahre lang in Brasilien und hat viele Reisen ins Innere des Landes unternommen. Dort traf sie eines Tages auf ein Benediktinerinnen-Kloster, das sich um notleidende Kinder kümmert. Zurück im heimischen Dotzheim blieb der Kontakt erhalten und auch für die Bonitos ist das Engagement Ehrensache. Vor zwei Jahren waren sie sogar gemeinsam in Olinda. Was die Bonitos darstellerisch von vielen Kollegen unterscheidet, ist wohl das konsequente Festhalten am bewusst Tänzerischen. Akrobatik oder reinen Blödsinn ohne Bezug zum Programm wird man hier vergeblich suchen. Diesen Aspekt schätzt die Wiesbadener Fastnacht offensichtlich sehr an den Dotzheimer Tänzern. Denn mittlerweile werden sie auch für die großen Sitzungen gebucht. Inhaltlich steht das Achtgestirn voll und ganz hinter den Ideen ihrer Choreografin. "Warum auch, es ist immer gut", meint Stefan Kratz, seinem Kollegen Rolf Wettengel fallen allerdings doch zwei Nachteile bei der Chefin auf: "Sie trinkt keinen Alkohol und vor Auftritten ist sie nervöser als wir." Vor allem beim Kurhaus-Auftritt am Tag des Handball-Endspiels hätte sie arg gelitten, wenn sie gewusst hätte, dass ihre Männer noch kurz vor ihrem Auftritt in der Garderobe dem Spiel zugeschaut und um den Sieg gezittert haben. Auf der Bühne merkte man davon nichts, hier herrscht Professionalität.






